Was hat eine Vespa mit Sex zu tun?

Ich habe eine alte Vespa. Jahrgang 1979. Sie ziert meinen Vorgarten, Da steht sie – ihr rot ist von der Sonne ein bisschen verblichen und an den Chromteilen hat sich mehr als nur Flug Rost festgesetzt – eher hartnäckiger Landungsrost.. Um es mal ganz deutlich zu sagen – sie ist alt und ich habe mich nicht wirklich gut um sie gekümmert. Aber ich liebe sie trotzdem. Jedes Mal wenn die Sonne scheint und ich an ihr vorbei gehe um in mein Auto zu steigen, habe ich eigentlich Lust auf eine lange Spritztour mit ihr. Eigentlich. In meiner Vorstellung brause ich mit ihr über die Elbchaussee in Richtung Blankenese – die Abendsonne im Gesicht.

Ich kann es mir genau vorstellen, wie es sein könnte. Ich spüre förmlich das aufreizende Vibrieren der alten Dame zwischen meinen Schenkeln, höre das aufregende Blubbern aus ihrem Auspuff. So blubbern nur die echten alten italienischen Modelle. Ich lasse es zu, dass der Fahrtwind meinen Rock ein bisschen frivol nach oben bläst und meine Beine entblöst. An der Ampel sieht mich so mancher Autofahrer sehnsüchtig an, als könne er spüren, wie toll es sich anfühlt, so frei zu sein.

Vielleicht erinnert er sich gerade selber daran, dass auch er noch eine alte Dame zu Hause in der Garage hat, mit der er mal wieder fahren könnte.

Was hindert mich also heute daran, dieses unglaubliche sommerliche Freiheitsgefühl von Dolce Vita zu leben? Warum steige ich lieber ins Auto als mich auf die Vespa zu schwingen?


Es ist die Zündung. Ja, genau so ist es. Sie springt einfach unendlich schwer an. Da muss man treten und machen und tun – bis die alte Dame endlich mal in die Gänge kommt. Und wenn man lange genug getreten hat, sie ein bisschen die Straße entlang gerollt hat – dann hat man an manchen Tagen richtig Glück. Sie springt an und das Vergnügen kann beginnen.


Aber man muss sich aufraffen, man muss sich bewegen, man muss sich anstrengen, und man muss wollen! Dann lohnt es sich.

Aber es lohnt sich nicht, wenn man nur schnell zum Bäcker will um Semmeln zu holen. Wenn man keine Zeit hat, um einen Umweg zu fahren. Wenn man nicht bereit ist, zu genießen. Wenn man eigentlich gar nicht mehr weiß, wie das geht „genießen“.


Wenn man nur noch daran denkt, wie man gleich die Semmel runterschlucken wird, wird man den vielleicht sinnlichen Weg zum Bäcker gar nicht sehen oder finden können.


Und genau darum geht es hier. Es geht um die Langsamkeit. Ums Spüren. Ums Fühlen. Ums Erleben und um Präsenz.

Die Fahrt mit der alten Vespa kann ungewiss sein - kein Mensch weiß, ob sie uns wirklich bis zum Bäcker bringen wird (vielleicht macht sie vorher schlapp?).

Doch wenn die Reise selbst verführerisch ist, dann ist es doch eigentlich auch egal ob wir ankommen oder nicht.

Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Sex. Nur mit dem Unterschied, dass wir lernen können, wie das „anzünden“ wirklich Spaß machen kann. Gähn – denken Sie vielleicht – wir haben keine Lust auf langweilige Sexspielzeuge und Rollenspiele. Oder, da ist die Luft doch draußen. Oder – wie sollen wir denn jetzt nach so vielen Jahren sexueller Langeweile wieder in Schwung kommen. Da hilft doch nur eine heiße Affäre. Die Liste, der Gründe warum Sie keinen Sex haben wollen oder können ist erstaunlicherweise unglaublich kreativ und meist sehr lang.

Warum haben Sie keinen Sex mehr?

Keine Frage, es ist meist viel einfacher und entspannter keinen Sex zu haben (das gilt meist für Paare die schon länger zusammen sind). Und jetzt in Corona Zeiten ist es ja fast so als würde die Vespa direkt im Schlafzimmer stehen. Da gibt es keine Ausrede mehr – wie z.B. ich muss länger im Büro bleiben. Die meisten hocken ja zu Hause. Und jetzt könnten wir ja alle die ganze Zeit Liebe machen, es genießen, den anderen Körper fast zu jeder Tages und Nachtzeit berühren zu können.


Was hindert uns nur daran? Vielleicht haben wir einfach nur vergessen, wie heiss so ein Ritt auf der Vespa sein kann. Vielleicht haben wir Sorge, dass sie nicht zündet oder aber dass wir erst gar nicht den Schlüssel finden. Wie wäre es daher mit einem ersten kleinen Versuch uns nur auf sie zu setzen. Man muss ja nicht gleich los brausen.

Probiert es mal aus.

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Jana Welch, Sexologin M.A.

Sohrhof 8, 22607  Hamburg, DE.

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