5 wirksame Maßnahmen gegen (Corona) Sex - Flaute

Als Sexologin werde ich immer wieder gefragt, wie Corona unser Sexleben verändert. Fast scheint es so, als ob es eine neue Zeitrechnung gäbe. Vor und nach Corona – ähnlich wie vor und nach Christi Geburt. Die Welt steht still. Und der Sex?


Mehr Zeit - mehr Sex? Oder doch eher Flaute?

Steht er still oder kann er sich erst jetzt so richtig verbreiten? Ist es doch so, dass die meisten Paare, die zu mir in die Praxis kommen, über zu wenig Zeit für Sex klagen. Das – so die oft einhellige Meinung – sei der Haupt-Grund für die Sexlosigkeit in der Beziehung. Zuwenig Zeit, zu viel Stress, zuviel Performancedruck im Job - die Liste der Gründe warum Paare keinen Sex haben ist endlos.

Würde das Zeitargument stimmen, dann müssten doch diese Paare jetzt ganz viel Sex haben. Jetzt – wo mehr Zeit ist. Jetzt, wo man sich öfter sieht und die Gelegenheit viel höher wäre, intim zu werden. Ein wilder Zungenkuss zwischen den Zoom Meetings, ein Quickie zwischen Küche und Schlafzimmer.


Und bei Ihnen so?

Ja – es gibt mehr Paarzeit. Doch eher auf biedermeierische Art und Weise: Gemeinsam Netflix sehen, gemeinsam kochen und essen, gemeinsam quatschen und kuscheln auf dem Sofa. Gemütlich in Jogginghosen. Wie herrlich – endlich müssen wir uns nicht mehr anziehen. Nur kurz zum Zoom Meeting ein Hemd drüber werfen. Merkt ja keiner.

Knisternde Erotik zu Corona Zeiten – oft Fehlanzeige.


Woran liegt das?

Eine kurze Erklärung: Eine Beziehung steht auf zwei Säulen. Die eine Säule beschreibt die Liebesebene – die andere die Sexebene. Beide Ebenen sind wichtig für eine intakte Beziehung und doch investieren Paare – vor allen Dingen nach ein paar Jahren – gerne mehr in die Liebessäule. Diese besteht aus liebgewonnenen Ritualen, Kuscheln auf dem Sofa, Begrüßungsküsschen auf die Wange. Am Anfang einer Beziehung wäre das undenkbar gewesen. Stellen sie sich das nur vor. Sie haben gerade den heißesten Typ kennengelernt und er gibt ihnen ein gehauchtes „Hallo Küsschen“ auf die Stirn. No way. Doch die Investitionen auf der Liebesebene geben einer Beziehung Stabilität und Sicherheit. Hier bin ich geliebt und es droht keine Gefahr von außen.


Die Sexsäule sucht etwas anderes. Das Abenteuer. Das Geheime. Das Verbotene. Die kreative Ausdehnung. Es geht darum, sich von seiner Schattenseite zu zeigen. Sich verwundbar machen. Hier zu investieren, könnte gefährlich werden und so verlagern viele Paare ihren Fokus lieber bequem auf die Liebesebene. Die Sexebene schläft ein – und das zeigen auch die Zahlen – 4 Mal im Monat macht es der Deutsche. Nach der Qualität wird nicht gefragt.


Doch wie beeinflusst Corona diese beiden Ebenen. Die Antwort liegt auf der Hand. Nehmen wir ein ganz normales Paar. Vor Corona sind beide jeden Tag zur Arbeit. Beide hatten ihren Raum - auch ihren Freiraum. Hier hatte der Partner Zugangsverbot. Hier ging Sabine auf Distanz und lebte ihr eigenes Leben. Björn ging einmal die Woche zum Squash und traf gerne einen Freund zum Kartenspielen. Ihre natürliche Distanz, der Zeitmangel, die Geschäftsreisen - das waren alles kleine Hindernisse, die der Erotik in die Tasche spielten.


Beide hatten ein Wir. Aber eben auch ein ICH.

Sie fand ihn immer super sexy in seinem Anzug. Er roch so gut wenn er ging. Sie war auch immer ein bisschen eifersüchtig auf Björns blonde schlanke Chefin - und auf die Zeit, die die beiden miteinander verbrachten.

Er mochte es, wie sie am Abend immer begeistert von ihrem Job erzählt hat. Er fand ihre Art wie sie strahlte so ganz besonders. Er mochte ihren Erfolg.


Beide hatten ein eigenständiges Leben – sie gingen auf natürliche Distanz.


Sie nahmen verschiedene Rollen in verschiedenen Umgebungen ein.


Jetzt ist alles ganz anders. Alle Rollen werden nun an einem Platz eingenommen. Nämlich in der Wohnung. Hier sind wir nun alles in einem. Hausfrau, Köchin, Businessfrau – vielleicht auch Mutter, Putzfrau und eben auch der Liebhaber oder die Liebhaberin.

Das ist die Herausforderung.

Wir begehren nicht das, was wir immer haben können.

Dazu kommt noch, das jeder immer available ist – und blöderweise begehren wir nicht das, was wir immer haben können. Eine vertrackte Situation die uns Corona da beschert hat.


Und doch schaffen es manche Paare, ihr Sexleben – auch zur Pandemie – positiv zu gestalten. Was machen die anders?


Fünf Punkte gegen Corona Flaute

Skill Nummer eins: Sie können über ihre Sexualität sprechen. Sie besprechen sich. Sie erzählen sich, auf was sie heute Lust haben. Sie können schamfrei über ihre Wünsche und Fantasien reden. Sie haben Spaß und lieben es, kreativ ihre Sexualität auszuleben. Sie haben keine Angst davor, von ihrem Partner verurteilt zu werden. Selbst wenn der Wunsch etwas außergewöhnlich ist.


Skill Nummer zwei: Sie verabreden sich zu einer intimen Begegnung. Sie machen sich füreinander schick. Sie haben es nicht verlernt, den anderen zu verführen. Sie reden nicht über Kinder, Corona oder Home - XXX. Sie trauen sich, eine sexuelle Rolle einzunehmen.


Skill Nummer drei: Sie bleiben präsent. Gerade wenn man sich den ganzen Tag sehen kann, ist es wichtig, präsent zu bleiben. Hören Sie aufmerksam zu, wenn der andere etwas erzählt. Vereinbaren Sie Zeiten, wo sie wirklich etwas miteinander machen wollen.


Skill Nummer vier: Sie grenzen sich ab. Sie machen auch etwas alleine. Gehen Sie alleine spazieren, treffen Sie einen Freund.


Skill Nummer fünf: Sie nutzen die Zeit für mehr Selbstliebe. Sie lernen ihr Instrument besser kennen. Sie verwöhnen sich selber - langsam. Es geht Ihnen um die Erfahrung und nicht ums Ziel.



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